| Energie aus Bastarden: 56kTV- Bastard Channel geht auf Sendung. Dass die Kreuzung oder Hybridisierung von Medien nicht nur neue Kräfte und Energien freisetzen kann, sondern auch Einblicke in ihre Funktionsweise gestattet, wusste bereits Marshall McLuhan. Auf eine solche <Energie aus Bastarden> setzt auch das jüngste Projekt der Schweizer Netzkultur-Plattform xcult.org, das mit Unterstützung der Pro Helvetia den <56kTV- Bastard Channel> aufgeschaltet hat. Dies ist ein Kunstkanal, dessen Programm die Aussichten auf digitales Fernsehen aus dem Internet auf seine Weise interpretiert. Die kommissionierten Netzkunst-Produktionen werden nur zu festen Sendezeiten <ausgestrahlt>. Wie dabei die Optionen des Hybridformats genutzt werden, fällt durchaus unterschiedlich aus. BIRGIT KEMPKER etwa kehrt das Prinzip der Sphinx um und bietet während der Sendezeit Sprechstunden an: Ihrer inversen Adaptation der mythischen Instanz kann man selbst die Fragen stellen. Beantwortet werden sie dann entweder vom Alter Ego der Schriftstellerin oder von einem Gedichtegenerator. Dass schwer zu entscheiden ist, wer von beiden besser orakelt beziehungsweise die wahre Poesie in die Welt entlässt, wirkt durchaus webgerecht. Ansonsten aber fällt die <Telemistica> hinter die alerten Nachfolgerinnen von Weizenbaums <Eliza> zurück, die mittlerweile allenthalben ihren künstlichen Kommunikationsservice anbieten- und dabei nicht selten unfreiwillige Poesie produzieren. Zuweilen kann die Kunst nur schwer mit dem konkurrieren, was schon der Alltag an Artefakten bietet. Tatsächlich lässt sich sagen, dass die Mehrzahl der <bastard channel>-Projekte an eben dieser Schwelle operiert: JIMPUNKS <ACIDMIS- SILE> beispielsweise überflutet den Bildschirm binnen kürzester Zeit mit einer Vielzahl von Browserfenstern, die sich rhythmisch öffnen und wieder schliessen - bei den eingespielten Bildern handelt es sich jedoch keineswegs um in Echtzeitautomatisch generierte Daten oder rohe Spolien aus dem weltweiten Gewerbegebiet, |
sondern um liebevoll bearbeitetes und zu einer durchaus geniessbaren Sequenz komponiertes Material. Punk oder besser gesagt: Noise wiederum wird eher mit dem ZZZZZZZZapp- Detuner von Exonemo geboten, der eine Art Abfallrecycling im Zeichen der Kunst versucht, indem das Programm freiwillig den Links eingegangener Spam-Mails folgt und die Bilder der aufgerufenen Seiten in ein Rauschen zerlegt. Dem ist dann wenigstens auf der ästhetischen Ebene etwas abzugewinnen: Nam June Paiks <Participation TV> wird aus der analogen in die digitale Fernsehwelt transportiert. |